Jahresbericht 2022-2024 Sancocho-Lab Kolumbien

 


Vorgeschichte: Sancocho-Lab Kolumbien 2022/23 

Da über die Anfangszeit von Sancocho-Lab Kolumbien keine Berichterstattung vorliegt,
wird hier vorgängig kurz rekapituliert, was in den beiden Vorjahren alles geschehen ist.
Am 15. April 2022 versammelten sich 6 Freundinnen und Freunde in Bogotá, um zu
beraten, was in der Folge der Covid-Pandemie, welche Kolumbien stark getroffen hatte,
mit Fr. 15.000.- sinnvoll anzustellen wäre. Das Geld stammte aus dem Verkauf des
Buches „Auf dem Amakong - Lesebuch gegen den Hunger“ von Nikolaus Wyss.
Die Zusammenkunft zeitigte als Resultat das Projekt „Sancocho-Lab“ mit dem Ziel, bei
verschiedenen Gelegenheiten in vulnerablen Quartieren der Stadt Bogotá Suppe
(Sancocho) auszuschenken und gleichzeitig jungen Suppenköchinnen und -köchen eine
Befähigung (capacitación) für die Realisierung eines eigenen Projekts zuteil werden zu
lassen. Die FreundInnen bildeten noch am gleichen Abend eine „Junta“: Claudia Diaz,
Bogotá, Jazmin Riaño, Bogotá, Camilo Zubieta, Zibaté, William Gutierrez, Bogotá, Daniel
Cortés, Bogotá,
und Nikolaus Wyss, Bogotá. Der Pilotversuch hatte zum Ziel, innerhalb
von 7-8 Monaten mindestens 10.000 Portionen Suppe auszuschenken und 6
Jugendlichen Hilfe für die Entwicklung eines eigenen Vorhabens zu gewähren, das eine
gewisse berufliche Selbständigkeit ermöglicht.

Als Operationsbasis bot sich die Stiftung CasaB an, ein einfaches
Gemeinschaftszentrum an der Carrera 2 Bis #6d-30 im Quartier Belén. Als erstes
beteiligte sich Sancocho-Lab mit Fr. 3000.- am Ausbau der Kücheninfrastruktur des
Hauses.

Im September 2022 wurde das Projekt ausgeschrieben, worauf sich 10 InteressentInnen
meldeten, von denen sechs Jugendliche ausgewählt wurden. Das Programm sah vor,
dass alternierend an Wochenenden eine Suppe zubereitet und verteilt wird oder
capacitaciones stattfinden. Der Pilotversuch dauerte sieben Monate und endete am 27.
Mai 2023 mit der Diplomierung von fünf „Chefs solidarios“. Die sechste Person stieg im
Verlauf der Pilotphase aus persönlichen Gründen aus. In diesem Zeitraum wurden
11000 Suppenportionen ausgeschenkt.

Als sich ein Erfolg des Pilotversuchs abzeichnete, initiierte Nikolaus Wyss im Frühling
2023 über die Crowdfunding-Plattform „Wemakeit“ eine Geldsammlung mit dem Ziel,
Sancocho-Lab mit einem Budget von mindestens Fr. 20.000. pro Zyklus fortzusetzen.
Ein Zyklus sollte jetzt den Ausschank von insgesamt 12-15.000 Suppenportionen
beinhalten und mindestens 12 jungen Menschen eine capacitación ermöglichen.
Der Geldsammlung war grosser Erfolg beschieden, kamen doch über Crowdfunding und
weitere Zuwendungen 37.000 Schweizer Franken zusammen, was dann in der Schweiz
zur Gründung des Vereins „Unterstützung Sancocho-Lab“ führte, dessen primäre
Aufgabe es ist, das gesammelte Geld bis zu dessen Verwendung sicher aufzubewahren.
Leider löste sich nach Abschluss des Pilotversuchs die Junta auf. Zwei Mitglieder
verliessen das Land, ein weiteres (100% berufstätig) fühlte sich angesichts des
Aufwands für eine Fortsetzung überfordert. Für die Weiterentwicklung von Sancocho-
Lab stellten sich als Leiter Daniel Cortés, Master in Innovation Design von der
Universität EAN, und als Koordinatorin Jazmín Riaño, graduierte Ökonomin von der
Universität Tolima, Ibagué, zur Verfügung. Im Spätherbst begann man, den Zyklus von
2024 zu planen.


Sancocho-Lab Kolumbien 2024 

Für den 2024-Zyklus mit Beginn Januar meldeten sich insgesamt 20 Interessenten an.
Leider verzögerte sich aber der Beginn des Zyklus, weil weder CasaB noch die
entsprechende Bank bereit waren, die administrative Verantwortung dafür zu
übernehmen. So verschob sich der Start des Zyklus um gut drei Monate, in denen sich
nicht wirklich Substantielles veränderte ausser der schwindenden Aussicht, dass
CasaB in der Lage sein wird, auch in Zukunft physische und administrative Heimat von
Sancocho-Lab zu sein. Die Benutzung der Küche und des Tagungsraumes war zwar mit
der Bezahlung einer Nutzungsgebühr gewährleistet. Doch die Überweisung der
Geldmittel aus der Schweiz erwies sich als hinderlicher Knackpunkt.
In der Wartezeit wanderten elf potentielle SuppenköchInnen wieder ab. Sie fanden
entweder eine Arbeit, oder sie zogen andere Projektangebote vor. So begann der neue
Zyklus mit einer Unterbelegung. Neue InteressentInnen mussten rekrutiert werden.

Im Total nahmen im Berichtsjahr 14 TeilnehmerInnen an den Aktivitäten teil, wovon aber
nur neun mit weitergehenden, eigenen Projekten im November desselben Jahres
abgeschlossen haben. Ein paar haben dabei zusammen gemeinsame Projekte
entwickelt, sodass insgesamt fünf neue, eigenständige Projekte die Microsites der
kolumbianischen Website (www.sancocholab.com) bereichern.
Der Zyklus 2024 dauerte acht Monate. Elf Suppen wurden ausgeschenkt, was insgesamt
ca. 10.000 Portionen entspricht. Meistens fanden die Suppen-Events in
unterschiedlichsten vulnerablen Stadtteilen und in Zusammenarbeit mit anderen
gemeinnützigen Organisationen und sozialen Initiativen statt. 20 capacitaciones
(Samstage, an denen Bildung/Kenntnisse vermittelt wurden und in individuellen
Settings die einzelnen Projekte vorangetrieben wurden) wurden angeboten, involviert
waren 15 professionelle Lehrkräfte aus den Bereichen Marketing, Buchhaltung,
Management, Recht, Hygiene, drei davon übernahmen für gewisse Veranstaltungen
auch eine koordinierende Rolle, wobei der Hauptteil der Arbeit und der Realisierung bei
den teilnehmenden SuppenköchInnen lag und nach dem Prinzip der selbstlernenden
Organisation (=Lab) stattfand. Unterstützung genoss der Zyklus auch von ehemaligen
AbsolventInnen, die oft vorbeischauten und mit Rat und Tat zur Seite standen.
Die zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Zeilen noch nicht ganz ausgewertete
Evaluation zeigt, dass die Logistik, Herstellung und Verteilung der Suppen ein
professionelles Niveau erreicht haben. Es wurde auch ein Handbuch/Leitfaden erstellt,
wie für eine „olla comunitaria“ (gemeinschaftlicher Suppentopf) vorzugehen sei.
Gemischtere Stimmen liegen zur capacitación vor. Es zeigt sich, dass die persönlichen
Ziele und die Arbeit an den Suppen oft zu weit auseinander liegen. Es zeigt sich weiter,
dass die Zusammenarbeit mit der CasaB wohl nicht mehr weitergeführt werden kann.
Als Alternative bietet sich die Übernahme einer bereits bestehenden, aber zurzeit
inaktiven Stiftung an, die auch über ein aktives Bankkonto verfügt. Die
Suppenzubereitung und die Capacitaciónstreffen werden künftig wohl in einer für
kommunale Aktivitäten zur Verfügung gestellten Klosteranlage im Quartier 20 de julio
stattfinden, was allerdings zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Zeilen noch nicht
sicher scheint.

Unbefriedigend ist die ungenügende Zahl der ausgeschenkten Suppen und die von den
Zielvorgaben abweichende Zahl von TeilnehmerInnen. Vorteil dabei allerdings ist, dass
die Ausgaben für den zu Ende gegangenen Zyklus einige tausend Franken unter Budget
liegen. Das so Ersparte soll in der Erarbeitung und Verbesserung des neuen Zyklus 2025
einfliessen. Insbesondere muss das Profil der Ausgangskompetenzen der
Teilnehmenden geschärft werden.

Den Leitungspersonen muss in Zukunft eine beratende Junta zur Seite stehen.

Im Namen Sancocho-Lab erscheint zurecht das Kürzel „Lab“. Das Unterfangen befindet
sich nach wie vor in einer Experimentierphase einer selbstlernenden Organisation, wo
Fehler auch gemacht werden dürfen, lehrreiche Fehler, die im nächsten Zyklus
aufgefangen und verarbeitet werden sollen. Vor diesem Hintergrund darf das
Berichtsjahr als Erfolg angesehen werden.
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Bogotá, 4. Februar 2025/Nikolaus Wyss 

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